Ohne Progression rechnet die Unfallversicherung geradlinig: Ein Invaliditätsgrad von zehn Prozent ergibt zehn Prozent der Versicherungssumme, ein Grad von fünfzig Prozent die Hälfte. Die Progression bricht diese Gerade. Bis zu einer in den Bedingungen festgelegten Schwelle bleibt die Rechnung linear, oberhalb davon wächst die Leistung schneller als der Invaliditätsgrad, und bei Vollinvalidität steht am Ende ein Vielfaches der Grundsumme.
Marktüblich werden die Staffeln mit Zahlen bezeichnet, etwa 225, 350 oder 500. Sie geben an, wie viel Prozent der Grundsumme bei hundert Prozent Invalidität erreicht werden. Der Gedanke dahinter ist eine Frage der Bedarfsdeckung: Eine leichte Beeinträchtigung lässt sich aus eigenen Mitteln auffangen, eine schwere verlangt Umbauten, Pflege und den dauerhaften Ersatz von Einkommen. Beitrag kostet die Progression deshalb wenig gemessen an dem, was sie im schweren Fall hinzufügt.
Am Beratungstisch
Wenn ein Kunde die Leistung für den Ernstfall erhöhen will, stehen zwei Wege offen: die Grundsumme verdoppeln oder eine Progression vereinbaren. Die erste Variante hebt jede Leistung an, auch die für einen versteiften Finger nach der Gliedertaxe, und ist entsprechend teuer. Die zweite wirkt nur oberhalb der Schwelle. Welcher Weg passt, hängt davon ab, ob der Vertrag kleine Beeinträchtigungen abfedern oder die Existenz nach einem schweren Unfall sichern soll.
Wo die Rechnung anders läuft als erwartet
Die genannte Zahl wird häufig für den Betrag gehalten, der ohnehin gezahlt wird. Sie ist nur der Endpunkt der Staffel und wird ausschließlich bei vollständiger Invalidität erreicht. Bei zwanzig Prozent Invaliditätsgrad zahlt ein Vertrag mit Progression in den meisten Tarifen keinen Cent mehr als einer ohne, weil die Schwelle noch nicht überschritten ist.
Ebenso wenig handelt es sich um eine gesetzliche Größe. Wie die Staffel verläuft, ab welchem Grad sie greift und ob sie stufenweise oder gleitend ansteigt, ergibt sich allein aus den Bedingungen des Tarifs. Vergleicht man zwei Angebote, sagt die bloße Zahl auf dem Deckblatt wenig, solange der Verlauf dazwischen unbekannt ist.
Dieser Begriff gehört zum Arbeitsalltag der Kaufleute für Versicherungen und Finanzen. Was der Beruf sonst verlangt, steht in der Ausbildung; was er zahlt, im Gehaltsvergleich.