Der Nettobeitrag markiert die Untergrenze dessen, was ein Vertrag kosten muss, damit er sich rechnerisch selbst trägt. Er enthält genau den Anteil, der für die versprochenen Leistungen gebraucht wird, und sonst nichts: keine Vergütung des Vermittlers, keine Verwaltung, keinen Sicherheitspuffer. In der Schaden- und Unfallversicherung entspricht er dem Erwartungswert des Schadens je Vertrag und Periode, also dem Produkt aus Schadenhäufigkeit und durchschnittlicher Schadenhöhe. In der Lebensversicherung tritt ein zweiter Bestandteil hinzu: der Sparbeitrag, aus dem die Deckungsrückstellung aufgebaut wird. Risiko- und Sparanteil zusammen ergeben dort den Nettobeitrag.
Wo die Größe in der Arbeit auftaucht
Auf einer Police taucht die Größe nicht auf, in der Arbeit an Tarifen dafür an jeder entscheidenden Stelle. Der Aktuar beginnt bei ihr und rechnet nach oben, wenn ein neuer Tarif entsteht; die Zuschläge sind der zweite Schritt, nicht der erste. In der Lebensversicherung dient sie zugleich als Anker der Bilanz, weil die prospektive Berechnung der Deckungsrückstellung den Barwert der künftigen Leistungen um den Barwert der künftigen Nettobeiträge vermindert. Und wenn ein Bestand saniert werden soll, zeigt der Vergleich von Nettobeitrag und tatsächlichem Schadenaufwand als Erstes, ob das Problem in der Kalkulation oder in den Kosten liegt.
Netto bedeutet hier nicht steuerfrei
Der häufigste Fehlschluss kommt aus dem Rechnungswesen, wo netto den Betrag ohne Umsatzsteuer meint. Auf den Beitrag übertragen ergibt das ein falsches Bild. Die Versicherungsteuer liegt nicht zwischen Netto- und Bruttobeitrag, sondern hinter beiden: Sie kommt erst auf den fertigen Tarifbeitrag obendrauf. Zwischen Netto und Brutto liegen Kosten und Sicherheitszuschlag.
Der zweite Fehlschluss betrifft das Wort in der Vermittlung. Eine Nettopolice ist kein Vertrag, der zum Nettobeitrag verkauft wird. Sie ist ein Tarif ohne einkalkulierte Abschlusskosten, bei dem die Vergütung des Vermittlers gesondert vereinbart wird. Die beiden Begriffe teilen sich nur ein Wort. Woraus sich der Preis eines Vertrags im Einzelnen zusammensetzt, zeigt der Artikel dazu, wie ein Beitrag berechnet und ein Risiko tarifiert wird.
Dieser Begriff gehört zum Arbeitsalltag der Kaufleute für Versicherungen und Finanzen. Was der Beruf sonst verlangt, steht in der Ausbildung; was er zahlt, im Gehaltsvergleich.