Ob eine Sparte aus eigener Kraft trägt, lässt sich mit einer einzigen Zahl beantworten. Die Schaden-Kosten-Quote addiert die Schadenquote und die Kostenquote und setzt das Ergebnis ins Verhältnis zu den verdienten Beiträgen derselben Periode. Liegt sie unter 100 Prozent, hat das Versicherungsgeschäft einen versicherungstechnischen Gewinn abgeworfen: Von hundert eingenommenen Euro blieb nach Schäden und Verwaltung etwas übrig. Liegt sie darüber, hat der Bestand mehr gekostet, als er eingebracht hat.
Wozu sie in der Steuerung dient
Im Schaden- und Unfallgeschäft ist sie deshalb die Leitgröße der Steuerung. Vorstände nennen sie in Geschäftsberichten vor jeder anderen Kennzahl, Rückversicherer verhandeln Verträge entlang ihrer Entwicklung, und wenn ein Haus eine Bestandssanierung ankündigt, steht dahinter fast immer eine Sparte, deren Quote über mehrere Jahre über der Marke lag. Angegeben wird sie einmal brutto und einmal netto, also vor und nach Abgabe an die Rückversicherung, und die beiden Werte können weit auseinanderliegen, wenn ein Sturmjahr einen großen Teil des Schadens weitergereicht hat.
Über hundert heißt nicht rote Zahlen
Der Fehlschluss liegt nahe und ist trotzdem falsch. Die Quote misst nur das versicherungstechnische Ergebnis. Was der Versicherer in der Zeit zwischen Beitragseingang und Schadenzahlung mit dem Geld verdient, taucht in ihr nicht auf. Traditionell arbeiten ganze Sparten mit Quoten oberhalb von 100 Prozent und verdienen an der Kapitalanlage; ob sich das trägt, hängt am Zinsniveau und an der Frage, wie lange die Schäden im Bestand liegen, bevor sie bezahlt werden.
Ebenso wenig taugt ein einzelnes Jahr zum Urteil. Ein Hagelzug, ein Großbrand oder eine Rückstellungskorrektur aus alten Anfalljahren verschiebt die Zahl, ohne dass sich an der Zeichnungspolitik etwas geändert hätte. Aussagekraft bekommt sie erst in der Reihe über mehrere Jahre und im Vergleich mit derselben Sparte bei anderen Häusern. Wie sich dieselben Größen im einzelnen Vertrag niederschlagen, beschreibt der Artikel zu Beitragsberechnung und Tarifierung.
Dieser Begriff gehört zum Arbeitsalltag der Kaufleute für Versicherungen und Finanzen. Was der Beruf sonst verlangt, steht in der Ausbildung; was er zahlt, im Gehaltsvergleich.