Im Zähler steht, was die Versicherungsfälle einer Periode gekostet haben, im Nenner, was in derselben Periode an Beitrag verdient wurde. Der Zähler ist dabei die anspruchsvollere Hälfte, denn er besteht nicht nur aus überwiesenem Geld. Hinzugerechnet wird die Veränderung der Rückstellung für noch nicht abgewickelte Versicherungsfälle, also der Betrag, den der Versicherer für gemeldete und für noch unbekannte Schäden des Jahres zurücklegt. Auch die Regulierungsaufwendungen zählen dazu: Gutachter, Sachverständigenverfahren, Anwälte, die Arbeitszeit der Schadenabteilung. Der Nenner wiederum nimmt nicht die kassierten, sondern die verdienten Beiträge, weil ein im November gezahlter Jahresbeitrag nur zum kleineren Teil auf das laufende Jahr entfällt.
Warum die Zahl von Schätzungen lebt
Aus dieser Konstruktion folgt, dass die Quote von Einschätzungen abhängt. Fällt die Reservierung eines Jahres zu vorsichtig aus, sieht das Jahr schlecht aus und die Folgejahre profitieren von der Auflösung; das ist das Abwicklungsergebnis, und es verschiebt regelmäßig ganze Prozentpunkte. Deshalb wird in der Analyse zwischen der Geschäftsjahresquote und der Betrachtung nach Anfalljahren getrennt, die jeden Schaden dem Jahr seines Eintritts zuordnet.
Ein junger Bestand sieht immer gut aus
Wer eine neue Sparte oder ein neu gezeichnetes Portfolio nach zwei Jahren bewertet, misst fast zwangsläufig eine niedrige Quote. Schäden brauchen Zeit, bis sie gemeldet, geprüft und beziffert sind, und in Haftpflichtsparten vergehen bis zur endgültigen Abwicklung nicht selten viele Jahre. Bis dahin sind es Schätzungen. Eine Schadenquote wird belastbar, wenn die Anfalljahre weitgehend abgewickelt sind, und bis dahin sagt sie mehr über die Reservierungspraxis als über das Risiko.
Der zweite Punkt betrifft die Stellschrauben. Eine höhere Selbstbeteiligung senkt die Quote zuverlässig, weil sie Kleinschäden aus der Statistik nimmt. Am Risiko des Bestands ändert das wenig. Wie dieselbe Größe in den Beitrag eines einzelnen Vertrags eingeht, zeigt der Artikel zu Beitragsberechnung und Tarifierung.
Dieser Begriff gehört zum Arbeitsalltag der Kaufleute für Versicherungen und Finanzen. Was der Beruf sonst verlangt, steht in der Ausbildung; was er zahlt, im Gehaltsvergleich.