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Bewerbung

Die Bewerbung um einen Ausbildungsplatz in der Versicherung

Versicherer besetzen ihre Ausbildungsplätze früher als die meisten anderen Branchen und fragen im Gespräch anderes ab, als Bewerber erwarten. Was in die Unterlagen gehört und was den Ausschlag gibt.

5 Min. Lesezeit von Steven Schulz

Ausbildungsplätze in der Versicherungswirtschaft werden früh vergeben. Große Versicherer und Bankengruppen starten ihre Auswahlverfahren für den Ausbildungsbeginn im August oder September häufig schon im Spätsommer des Vorjahres und schließen sie im Winter ab. Wer sich im Frühjahr bewirbt, konkurriert um Restplätze.

Das ist der erste und praktisch folgenreichste Punkt. Der zweite: Kleinere Maklerhäuser und mittelständische Vertriebe arbeiten genau umgekehrt. Sie entscheiden oft erst im Frühjahr oder Sommer, teilweise bis wenige Wochen vor Ausbildungsbeginn. Wer spät dran ist, sollte seine Energie dorthin lenken.

Was in die Unterlagen gehört

Anschreiben, Lebenslauf, die beiden letzten Schulzeugnisse, Nachweise über Praktika und Nebenjobs. Mehr nicht. Ein Deckblatt ist entbehrlich, ein Motivationsschreiben zusätzlich zum Anschreiben ebenfalls.

Beim Zeugnis gilt: Legen Sie das letzte verfügbare bei, auch wenn es ein Halbjahreszeugnis ist und auch wenn es Ihnen nicht gefällt. Ein fehlendes Zeugnis wird nicht als Versehen gelesen.

Der Lebenslauf sollte bei einem Schulabgänger auf eine Seite passen. Was hineingehört und selten drinsteht: Nebenjobs mit Kundenkontakt, ehrenamtliche Tätigkeit, Sprachkenntnisse jenseits des Schulenglischen, EDV-Kenntnisse, sofern sie über das Selbstverständliche hinausgehen. Was nicht hineingehört: die Grundschule, Interessen ohne Substanz, Selbstbeschreibungen wie "teamfähig".

Das Anschreiben

Ein Anschreiben für einen Ausbildungsplatz hat genau eine Aufgabe: zu zeigen, dass Sie wissen, wofür Sie sich bewerben. Das gelingt über drei Sätze, die in fast keinem Anschreiben stehen.

Erstens ein Satz darüber, was ein Versicherungskaufmann tatsächlich tut. Nicht "Versicherungen sind ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft", sondern etwa: dass der Beruf zu einem großen Teil daraus besteht, Bedingungstexte auf eine konkrete Lebenslage anzuwenden und das Ergebnis jemandem zu erklären, der es nicht studiert hat. Wer das aus einem Praktikum oder einem Gespräch weiß, schreibt es in eigenen Worten.

Zweitens ein Satz darüber, warum dieses Haus. Ein Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit, ein börsennotierter Konzern, ein Industriemakler und eine Bank mit Versicherungsgeschäft sind grundverschiedene Arbeitgeber. Welcher Typ vor Ihnen liegt, lässt sich in zwanzig Minuten herausfinden, und es wird bemerkt, wenn Sie es getan haben. Die Arbeitgeberübersicht ist dafür ein brauchbarer Ausgangspunkt.

Drittens ein Satz über etwas, das Sie schon einmal getan haben und das mit dem Beruf zu tun hat. Kasse im Supermarkt, Kellnern, Vereinskasse, Nachhilfe, Betreuung im Ferienlager. Jede Tätigkeit, in der Sie mit fremden Menschen geredet und dabei Verantwortung getragen haben, ist hier mehr wert als eine Note.

Verzichten Sie auf den Konjunktiv. "Ich würde mich freuen" ist schwächer als "Ich freue mich über eine Einladung". Und schreiben Sie das Anschreiben selbst; Personalverantwortliche in dieser Branche lesen jeden Winter hunderte davon und erkennen Textbausteine sofort.

Der Einstellungstest

Größere Häuser schalten vor das Gespräch einen Onlinetest. Geprüft werden meist Sprachverständnis und Rechtschreibung, kaufmännisches Rechnen mit Prozent, Zins und Dreisatz, logisches Denken sowie Konzentration unter Zeitdruck. Die Tests sind in der Regel so ausgelegt, dass niemand alles schafft.

Vorbereitung lohnt sich, aber nicht in alle Richtungen gleich: Rechnen und Logik lassen sich in wenigen Abenden messbar verbessern, Sprachverständnis nicht. Wer beim Kopfrechnen unsicher ist, übt Prozentrechnung – das ist ohnehin das Werkzeug, mit dem im Beruf täglich gearbeitet wird.

Das Gespräch

Rechnen Sie mit einer Mischung aus Standardfragen und zwei bis drei Fragen, die unangenehm konkret werden. Die Standardfragen sind bekannt. Die konkreten laufen in diesem Beruf fast immer auf dieselben drei Punkte hinaus.

Wie Sie damit umgehen, wenn Sie jemandem etwas absagen müssen. Schadenregulierung besteht zu einem erheblichen Teil aus Ablehnungen, Vertrieb aus Zurückweisung. Eine ehrliche Antwort mit einem Beispiel ist besser als eine souveräne ohne.

Wie Sie mit langen, genauen Texten umgehen. Versicherungsbedingungen sind das Arbeitsmaterial dieses Berufs. Wer gern genau liest, sollte das sagen; wer es nicht gern tut, sollte über den Beruf nachdenken.

Was Sie über den Unterschied zwischen Innendienst und Außendienst wissen. Diese Frage trennt vorbereitete von unvorbereiteten Bewerbern zuverlässig, weil viele Häuser für beides ausbilden. Die Unterschiede stehen in Der Arbeitsalltag im Innendienst.

Bringen Sie eigene Fragen mit, und zwar solche, die man nicht auf der Website nachlesen kann: Welche Abteilungen durchläuft man, in welcher Reihenfolge? Welche Wahlqualifikation legt das Haus im Ausbildungsvertrag fest? Wo ist die Berufsschule, und wird im Block unterrichtet? Wie viele der letzten drei Jahrgänge wurden übernommen, und in welcher Form?

Die letzte Frage ist die wichtigste und die am seltensten gestellte. Sie ist auch keine unhöfliche Frage – siehe Die Übernahme nach der Ausbildung.

Wenn eine Absage kommt

Absagen im Ausbildungsbereich sind fast nie eine Aussage über die Person. Große Häuser erhalten für jeden Platz eine zweistellige Zahl von Bewerbungen, und der Unterschied zwischen Platz drei und Platz sieben ist selten benennbar.

Zwei Dinge sind trotzdem sinnvoll. Fragen Sie nach, woran es gelegen hat – bei kleineren Betrieben bekommt man darauf oft eine brauchbare Antwort. Und verbreitern Sie den Kreis: Wer sich nur bei den fünf bekanntesten Versicherern bewirbt, bewirbt sich dort, wo alle sich bewerben. Maklerhäuser, Versicherungsvereine, gewerbliche Spezialisten und die Versicherungsabteilungen von Banken bilden ebenfalls aus und stehen seltener im Schaufenster. Welche Häuser aktuell suchen, zeigen die offenen Stellen.

Ein letzter Hinweis, der in diesem Beruf eigens nötig ist. Angebote, die von "Ausbildung" sprechen, tatsächlich aber einen Handelsvertretervertrag oder eine Agenturübernahme meinen, kommen vor. Prüfen Sie jedes Angebot auf drei Merkmale: ein Ausbildungsvertrag nach dem Berufsbildungsgesetz, eine Eintragung bei der Industrie- und Handelskammer, eine feste monatliche Ausbildungsvergütung. Fehlt eines davon, ist es kein Ausbildungsplatz.

Wenden Sie das direkt an: Im Stellenmarkt stehen die offenen Stellen dieses Berufs, und zu jedem Beruf finden Sie die Aufgaben und die üblichen Gehälter daneben.

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