Aktuare rechnen mit Wahrscheinlichkeiten und mit Zeit. Sie bestimmen, welcher Beitrag für ein Risiko auskömmlich ist, wie hoch die Rückstellungen für künftige Leistungen sein müssen, wie sich Sterblichkeit, Storno und Zins auf einen Bestand auswirken und wie viel Kapital ein Unternehmen für seine Risiken vorhalten muss. Das Handwerkszeug kommt aus Stochastik, Finanzmathematik und Statistik; das Urteil kommt aus der Kenntnis des Geschäfts, denn eine Sterbetafel oder eine Schadenkurve auszuwählen ist keine reine Rechenaufgabe.
Der Weg in den Beruf führt in der Regel über ein Studium der Mathematik, Statistik, Physik oder Wirtschaftsmathematik und anschließend über die berufsbegleitende Ausbildung der Deutschen Aktuarvereinigung, die mit der Aufnahme als Aktuar DAV endet. Sie dauert mehrere Jahre und wird neben der Arbeit im Unternehmen absolviert.
Der Verantwortliche Aktuar
Eine besondere Rolle beschreibt § 141 VAG für die Lebensversicherung. Dort muss jedes Unternehmen einen Verantwortlichen Aktuar bestellen, dessen Aufgaben gesetzlich festgelegt sind: Er wacht darüber, dass die Beiträge den anerkannten Regeln der Versicherungsmathematik entsprechen, dass die Deckungsrückstellung richtig gebildet ist, und er bestätigt das unter der Bilanz. Außerdem legt er dem Vorstand einen Vorschlag zur Überschussbeteiligung vor. Folgt der Vorstand ihm nicht, ist die Aufsicht zu unterrichten – eine Konstruktion, die dem Amt eine Unabhängigkeit gibt, die sonst kaum eine Stelle im Haus besitzt. Vergleichbare Funktionen gibt es in der Krankenversicherung und in der Unfallversicherung mit Beitragsrückgewähr.
Zwei falsche Vorstellungen vom Beruf
Die erste: Aktuare arbeiteten nur in der Lebens- und Krankenversicherung. Tatsächlich sitzen sie ebenso in der Schaden- und Unfallversicherung, wo sie Schadenreserven bewerten und Tarifstrukturen entwickeln, in der Rückversicherung, in der betrieblichen Altersversorgung und in den Risikofunktionen, die Solvency II verlangt. Die zweite: Aktuar sei ein Studienabschluss. Die Bezeichnung steht für eine Qualifikation, die nach dem Studium im Beruf erworben wird, und der Verantwortliche Aktuar ist noch einmal etwas anderes – ein aufsichtsrechtliches Amt, das eine benannte Person ausfüllt und für das die Aufsicht fachliche Eignung und Zuverlässigkeit verlangt. Auf dem Schreibtisch der Sachbearbeitung kommt diese Arbeit als fertiger Tarif an; was daraus im Einzelnen wird, zeigt die Darstellung dazu, wie ein Beitrag berechnet und ein Risiko tarifiert wird.
Dieser Begriff gehört zum Arbeitsalltag der Kaufleute für Versicherungen und Finanzen. Was der Beruf sonst verlangt, steht in der Ausbildung; was er zahlt, im Gehaltsvergleich.