In der Sachversicherung ist der Regelfall die Vollwertversicherung: Die Versicherungssumme soll dem Versicherungswert entsprechen. Bleibt sie erheblich dahinter zurück, greift § 75 VVG, und der Versicherer leistet nur nach dem Verhältnis der Summe zum Wert – auch bei einem kleinen Schaden. Die Versicherung auf Erstes Risiko verlässt diesen Mechanismus. Hier vereinbaren die Parteien von vornherein eine Summe unterhalb des Gesamtwerts und legen zugleich fest, dass der Versicherer sich auf Unterversicherung nicht beruft. Die Summe wirkt dann allein als Obergrenze: Bis zu ihr wird der Schaden voll ersetzt, darüber hinaus gar nicht.
Dass das zulässig ist, ergibt sich aus dem Gesetz selbst. § 87 VVG zählt auf, von welchen Vorschriften der Sachversicherung nicht zum Nachteil des Versicherungsnehmers abgewichen werden darf; § 75 VVG steht nicht darunter. Die Anrechnung der Unterversicherung ist also abdingbar, und die Abrede geht hier ohnehin zugunsten des Kunden.
Wofür die Form gewählt wird
Gebraucht wird sie überall dort, wo ein Totalschaden praktisch ausgeschlossen ist und eine Summe in Höhe des Gesamtwerts nur Beitrag kosten würde. In der gewerblichen Sachversicherung sind das typischerweise Positionen wie Bargeld im Tresor, Schäden durch Einbruchdiebstahl an der Gebäudesubstanz, Aufräum- und Abbruchkosten oder die Außenversicherung. Im Privatkundengeschäft begegnet die Konstruktion in einzelnen Zusatzpositionen der Hausratversicherung. Die Summe wird nicht geschätzt, sondern am größten vorstellbaren Einzelschaden ausgerichtet.
Zwei Fehldeutungen
Die erste steckt im Wort. Erstes Risiko heißt nicht, dass dieser Versicherer vor einem anderen zahlt, und hat mit Rangfolgen zwischen Verträgen nichts zu tun. Gemeint ist die erste Schicht des Schadens, also der Betrag, der zuerst anfällt.
Die zweite betrifft die Sicherheit, die man sich davon verspricht. Der Verzicht auf den Unterversicherungseinwand macht die Summe nicht großzügiger. Wer sie zu niedrig ansetzt, erhält bei einem größeren Schaden weniger als seinen Verlust – er wird nur nicht zusätzlich quotiert. Und der Verzicht ist etwas anderes als der Unterversicherungsverzicht der Hausratversicherung, der an eine vorgegebene Summe je Quadratmeter geknüpft ist und mit einer falschen Wohnflächenangabe entfällt. Wie die Summenermittlung im Gewerbe insgesamt aufgebaut ist, beschreibt die Darstellung zur gewerblichen Sachversicherung.
Dieser Begriff gehört zum Arbeitsalltag der Kaufleute für Versicherungen und Finanzen. Was der Beruf sonst verlangt, steht in der Ausbildung; was er zahlt, im Gehaltsvergleich.