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Karriere

Beitragsberechnung und Tarifierung: wie der Preis entsteht

Der Beitrag ist kein Verhandlungsergebnis, sondern eine Rechnung mit festen Bestandteilen. Woraus sie besteht, welche Merkmale eingehen und was ein Sachbearbeiter dabei tatsächlich entscheidet.

5 Min. Lesezeit von Steven Schulz

"Warum kostet das so viel?" ist die meistgestellte Frage dieses Berufs. Sie lässt sich beantworten, und die Antwort gehört zum Handwerk – nicht in der Tiefe der Aktuare, aber in der Struktur.

Woraus ein Beitrag besteht

Der Beitrag, den ein Kunde zahlt, setzt sich aus mehreren Schichten zusammen.

Am Anfang steht die Nettorisikoprämie. Sie ist der erwartete Schadenaufwand für ein Risiko dieser Art in einem Jahr – gerechnet als Schadenhäufigkeit mal durchschnittliche Schadenhöhe. Darauf kommt ein Sicherheitszuschlag, weil der tatsächliche Schadenverlauf um den Erwartungswert schwankt und der Versicherer die Schwankung tragen muss. Zusammen ergibt das die Bruttorisikoprämie.

Darauf wiederum kommen die Kosten: Abschlusskosten, laufende Verwaltungskosten, Kosten der Schadenregulierung, Rückversicherungskosten, ein Gewinnanteil. Das Ergebnis ist der Tarifbeitrag.

Zuletzt kommt die Versicherungsteuer hinzu. Sie ist keine Einnahme des Versicherers, sondern wird von ihm abgeführt; ihr Satz hängt von der Sparte ab, und einige Versicherungszweige sind befreit. Auf der Beitragsrechnung wird sie gesondert ausgewiesen – ein Punkt, den man erklären können muss, weil Kunden sie regelmäßig für einen Zuschlag des Versicherers halten.

Die Merkmale, die den Preis steuern

Tarifierung heißt, ein einzelnes Risiko einer Gruppe zuzuordnen, deren Schadenerfahrung bekannt ist. Die Merkmale, über die das geschieht, unterscheiden sich stark nach Sparte.

In der Kraftfahrtversicherung sind es Typklasse, Regionalklasse, Schadenfreiheitsklasse, Fahrleistung, Fahrerkreis, Nutzung, Abstellplatz und Selbstbeteiligung. In der Wohngebäudeversicherung Bauartklasse, Baujahr, Wohnfläche, Ausstattung, Lage und die Zuordnung zu einer Gefährdungszone für Elementarrisiken. In der Hausratversicherung Wohnfläche, Lage und Sicherungen. In der gewerblichen Sachversicherung die Betriebsart, die den Gefahrensatz bestimmt. In der Lebens- und Krankenversicherung Eintrittsalter, Geschlecht bei Altverträgen, Gesundheitszustand, Beruf und Laufzeit.

Dazu kommen die Merkmale, die nicht das Risiko, sondern den Vertrag betreffen: Zahlungsweise – unterjährige Zahlung ist in der Regel mit einem Ratenzahlungszuschlag verbunden –, Vertragslaufzeit, Bündelung mehrerer Verträge, Schadenfreiheit im Bestand.

Was ein Sachbearbeiter dabei tatsächlich tut

Die Rechnung selbst macht das System. Was der Mensch tut, ist etwas anderes, und es ist anspruchsvoller, als es klingt.

Er entscheidet über die Zuordnung. Ist dieser Betrieb ein Metallbau oder eine Schlosserei mit Lackiererei? Ist dieses Gebäude massiv oder eine Fachwerkkonstruktion mit harter Bedachung? Ist dieses Fahrzeug gewerblich oder privat genutzt? Diese Einordnungen entscheiden über den Beitrag, und sie stehen nicht im Formular, sondern werden aus den Angaben erschlossen.

Er prüft auf Plausibilität. Eine Wohnfläche von 300 Quadratmetern bei einem Beitrag für eine Zweizimmerwohnung, ein Neuwagen in der niedrigsten Schadenfreiheitsklasse, ein Handelsbetrieb ohne Warenwert – solche Kombinationen sind Hinweise auf Fehler oder auf Manipulation.

Und er erklärt. Der größte Teil der Kundenkommunikation zu Beiträgen besteht nicht aus Verhandlung, sondern aus Erläuterung: warum ein Beitrag gestiegen ist, warum ein Nachbar weniger zahlt, warum die Selbstbeteiligung den Beitrag stärker senkt als erwartet. Wer das sauber erklären kann, erspart dem Haus Beschwerden, siehe Beschwerde, Ombudsmann und BaFin.

Warum Beiträge steigen

Für Beitragserhöhungen gibt es in der Kompositversicherung im Wesentlichen drei Gründe, und sie sollten auseinandergehalten werden.

Der erste ist die individuelle Änderung: ein Schaden, der die Einstufung verschlechtert, oder eine Risikoänderung. Der zweite ist die Summenanpassung, bei der Versicherungssumme und Beitrag über einen Anpassungsfaktor fortgeschrieben werden, damit der Schutz mit den Wiederbeschaffungskosten Schritt hält. Der dritte ist die Beitragsanpassung aufgrund der Schadenentwicklung eines gesamten Bestandes, die auf einer vertraglichen Klausel beruht und regelmäßig mit einem Kündigungsrecht verbunden ist.

In der Krankenversicherung gilt stattdessen die gesetzliche Regelung des § 203 Abs. 2 VVG: Ändern sich die maßgeblichen Rechnungsgrundlagen nicht nur vorübergehend und erheblich, darf der Versicherer die Prämie neu festsetzen, und ein unabhängiger Treuhänder muss zustimmen. In der Lebensversicherung ist der Beitrag dagegen bei Vertragsschluss festgelegt, weil nach § 2 Abs. 2 der Deckungsrückstellungsverordnung der bei Abschluss verwendete Rechnungszins für die gesamte Laufzeit gilt – Erhöhungen gibt es dort nur über vereinbarte Dynamiken.

Wo die teuren Fehler liegen

Drei Fehlerarten wiederholen sich.

Die falsche Zuordnung eines Risikomerkmals erzeugt einen zu niedrigen Beitrag und im Schadenfall eine Auseinandersetzung darüber, ob eine Anzeigepflichtverletzung vorliegt, siehe Die vorvertragliche Anzeigepflicht. Die zu niedrige Versicherungssumme erzeugt eine Kürzung nach § 75 VVG, auch bei kleinen Schäden. Und die unbemerkte Gefahrerhöhung im laufenden Vertrag – eine Betriebserweiterung, eine Nutzungsänderung – führt zu den Rechtsfolgen der §§ 23 bis 26 VVG.

Alle drei entstehen nicht beim Rechnen, sondern beim Erfassen. Das ist der Grund, warum in diesem Beruf so viel Wert auf genaues Lesen gelegt wird und warum in Bewerbungsgesprächen Fälle zur Tarifierung gestellt werden, siehe Das Vorstellungsgespräch mit fachlichen Fragen.

Was man daraus mitnimmt

Wer die Struktur eines Beitrags verstanden hat, versteht anschließend fast jede Produktentscheidung eines Versicherers: warum bestimmte Risiken nicht gezeichnet werden, warum Selbstbehalte im Gewerbe Standard sind, warum Bündelrabatte existieren und warum ein Wechsel nach einem Schaden teuer wird.

Dieses Verständnis ist über alle Sparten hinweg übertragbar und beim Arbeitgeberwechsel mehr wert als Systemkenntnis. Womit ein Haus die Tragfähigkeit eines Bestandes misst, steht in Die Kennzahlen des Versicherers. Die Größenordnungen der Verdienste in den einzelnen Tätigkeitsfeldern finden Sie auf der Gehaltsseite.

Wenden Sie das direkt an: Im Stellenmarkt stehen die offenen Stellen dieses Berufs, und zu jedem Beruf finden Sie die Aufgaben und die üblichen Gehälter daneben.

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